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Eifel Stadt Weilerswist

KapelleWeilerswist

Hl. Neue/Göttliche Tugenden Fides, Spes und Caritas.
Swister Turm

Kontakt
Swister Turm
Am Swisterberg
53919 Weilerswist

Kontakt: Gerhard Burghof, Vorsitzender des Vereins Swister Turm:
Mail: gerhard.burghof[æt]t-online.de
Mobil: 0151-554 718 17

Wallfahrt
Name: Römerwallfahrt am 5. Fastensonntag; Wallfahrt am Pfingstmontag; Verehrung der Tugenden Fides, Spes und Caritas (1. Mittwoch im August)
Ziel:

Foto 1
Swister Turm mit Willkommens-Schild
Foto: Martin Mölder

Daheim ist, wo das Türmchen steht
Von Martin Mölder
Wer hinter dem Ortsausgang von Weilerswist den kleinen Hügel von der Phantasialandstraße Richtung Brühl rechts hoch fährt oder kurz vorher die uralte Lindenallee zu Fuß empor steigt, ahnt nichts von der Oase, die er oben nach wenigen Metern vorfindet. Ein großer Platz mit Wiesen zum Picknicken, Bänken zum Ausruhen - sogar zwei Wanderliegen aus Holz - und einem tollen Ausblick bis in die Eifel – das ist der Ort, den alle Leute hier nur liebevoll „unser Swister Türmchen“ nennen. Ein wenig einsam steht er da, der rund 15 Meter hohe Turm, aber das täuscht, denn hier treffen sich jung und alt, Familien und vor allem Pilgerinnen und Pilger, und zwar bei gutem Wetter Tausende im Jahr. „Doheim is wo dat Türmche is“, sagt Gerd Burghof, Vorsitzender des „Vereins Swister Turm“, der 2002 gegründet, dafür sorgt, dass dieses Kleinod erhalten bleibt und „in Schuss“ gehalten wird. „Das ist meine Heimat. Ich bin hier um die Ecke von Weilerswist, in Vernich geboren und kenne das Türmchen seit meiner Kindheit. Als es immer mehr zerfiel, war mir das ein Dorn im Auge und nicht nur mir“, sagt Burghof. 67 Engagierte beschlossen, dem Verfall des Swister Turmes und der Verwilderung auf dem Gelände am Swister Berg Einhalt zu gebieten. Seit dem pflegen sie ehrenamtlich mit viel Herzblut und ungezählten Stunden Einsatz das Wahrzeichen der Stadt Weilerswist, das auch im Wappen der Gemeinde abgebildet ist. Dabei geht es nicht nur um Denkmalpflege und Denkmalschutz des weißen Turms, sondern auch darum, hier eine „kirchlich-weltliche Begegnungsstätte zu schaffen und zu erhalten“, wie Burghof sagt. Denn es ist gerade Ziel des Vereins, Menschen hierhin und zusammen zu bringen, an einen Ort der eine lange, auch christlich geprägte Geschichte hat.

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Swist Altar mit den drei Matronen
Foto: Martin Mölder

Zwischen 1100 und 1125 soll hier auf dem Swisterberg eine Pfarrkirche des damaligen und später untergegangenen Dorfes Swist gebaut worden sein - auf den Fundamentresten eines Kirchenschiffes aus dem 9. Jahrhundert. Archäologische Funde deuten aber sogar auf weitere Fundamente einer christlichen Kirche aus dem 3./4. Jahrhundert und Überreste aus der Römerzeit hin. Das Dorf Swist hatte damals im 12. Jahrhundert nur rund 15 Häuser und die Dorfkirche zunächst keinen Turm. „Der kam später“, erzählt Gerd Burghof. „und blieb dann aber stehen, während die Kirche im 19. Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. Der Turm wurde in dieser Zeit renoviert und im Inneren ein Betraum vor dem Altar der drei Matronen „Fides“, „Spes“ und „Caritas“ eingerichtet. Die Wallfahrt, die im 16. und 17. Jahrhundert aufgeblüht war, wurde wiederbelebt.

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Jakobsmuschel im Pflaster vor dem Swister Turm
Foto: Martin Mölder

Seitdem pilgern viele Menschen bis heute zum Swister Turm. Früher war der Ostermontag Hauptpilgertag. Jetzt kommen die meisten am Pfingstmontag „per pedes“ oder mit dem Fahrrad, vor allem Pilger aus Roisdorf, Lommersum, Vernich, Müggenhausen, Widdig oder Hersel. Eine Pilgerguppe aus Walberberg wandert jedes Jahr am Mittwoch nach dem Patrozinium (1. August) zum Swisterberg und feiert dort die heilige Messe. „Wir sind für alle Pilger da, auch für ganz kleine Gruppen oder einzelne Pilgerinnen und Pilger, die zum Beispiel auf ihrem Jakobsweg hier vorbeikommen“, erklärt Burghof. Gleich zwei Jakobswege treffen sich am Swister Turm, der eine führt von Bonn nach Aachen, der andere von Köln nach Trier. Und noch eine Gruppe macht sich jedes Jahr am Samstag vor dem Passionssonntag um 19 Uhr auf den Weg zum „Türmchen“, meist acht bis zwölf Männer treffen sich in Erftstadt-Bliesheim und absolvieren einen Bußgang Richtung Weilerswist. Seit fast 20 Jahren dabei ist Manfred Gillen. „Wir starten hier an der Erft und gehen dann den Kreuzweg bis zum Turm“, erzählt er. An allen 14 Stationen hält die Gruppe an, einer der Männer betet vor oder spricht einen Text, danach trägt er das Kreuz bis zur nächsten Station. Gillen schätzt vor allem die besondere Gemeinschaft der Gruppe. „Bei dem Bußgang ist Zeit und Raum über Gott und die Welt, unseren Glauben und Themen zu reden, die in der Kneipe einfach nie zur Sprache kämen.“ Und wenn er dann mit der Gruppe die letzten Meter der Lindenallee hoch zum Turm geht und Peter Achnitz vom Verein Swister Turm die Glocken läutet, dann „ist das schon ein tolles und erhebendes Gefühl“, schwärmt Gillen.


Swister Turm – Zahlen und Fakten

1100 bis 1125: Die Pfarrkirche des untergegangenen Dorfes Swist auf dem Swisterberg wird auf den Fundamentresten eines Kirchenschiffes aus dem 9. Jahrhundert erbaut. Archäologische Funde deuten auf weitere Fundamente aus der Römerzeit unter der heutigen Swister Turm.

1223: Erste urkundliche Erwähnung einer dem heiligen Gereon geweihten Kirche unter dem Patronat des Stiftes St. Gereon zu Köln. Verehrung der drei jungfräulichen Märtyrerinnen „Fides“, „Spes“ und „Caritas“ in dieser Kirche. Möglicherweise handelt es sich um die christliche Umdeutung eines heidnischen Matronenkultes.

16./17.Jahrhundert: Die Wallfahrt zur Kirche auf dem Swisterberg erlebt ihre
Blütezeit. Die Pilger beteten um Fruchtbarkeit, gute Ernten und erflehten Schutz vor Pest, Hunger, Krieg und Seuchen.

1802: die Kirche wird Eigentum der Zivilgemeinde Weilerswist.

1828/30: Das Kirchenschiff muss wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Einzig der Turm bleibt stehen.

1854: Der Turm wird renoviert und im Inneren ein Betraum eingerichtet. Die Wallfahrt wird wiederbelebt.

2001 bis 2002: Die Pfarrgemeinde St. Mauritius wird Eigentümerin des Swister Turms. Gründung des Vereins "Swister Turm e.V.".

2005 bis 2006: Die Fundamente und die Fassade des Turms werden umfangreich saniert und eine Glastüre an der Stelle eingebaut, wo früher das Kirchenschiff stand. Der Vorplatz wird mit einer Pflasterung in den Abmaßen des ursprünglichen Kirchenschiffes und einer darin integrierten Jakobsmuschel neugestaltet.

30.07.2006: Die Turmkapelle wird als Wallfahrtsstätte durch den Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, eingesegnet.

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