Rundtour ländlich familienfreundlich Andere Region
Rundtour, hauptsächlich durch ländliches Gebiet.
anregend 1–2 Std 190 Höhenmeter
Anregend. bis auf kleine Steigerungen in Herdecke ruhige Verkehrsführung auf Rad- und Waldwegen.
kulturell
Entspannte Radrunde entlang von Ruhr und Harkortsee in die "braune" Vergangenheit von Herdecke, das Bewußtsein schärfen, das es auch hier angesehene und gut integrierte jüdische Unternehmerfamilien gab, denen in kurzer Zeit das Leben zur Hölle gemacht wurde, ehe Ihnen das Leben genommen wurde.
Wetter / Ruhr: Wetter mit Friedrich Harkort und dem Freiherrn vom Stein als Ausgangspunkt berühmter Stadtväter am Harkortsee gelegen bietet sich an, in die Nachbarstadt Herdecke zu fahren und den 5 Stolpersteinen und ihren Geschichten nachzuspüren, ruhig, besinnlich, alleine oder in einer kleinen Gruppe.
die Tour läßt sich mit jedem Fahrrad bewältigen. Großes Können / Geschick ist hier nicht erforderlich; also auch familientauglich.
Goethestraße 21 a, Herdecke: Inge Streerath wächst gut umsorgt im Haus ihrer Eltern auf. Sie hat zwei ältere Brüder, ihr Vater ist Tierarzt, die Mutter stammt aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie. Doch Inge hat gesundheitliche Probleme. Von Geburt an sind Bereiche ihres Gehirns geschädigt, deshalb ist ihre Entwicklung verzögert. Als sie etwa zwei Jahre alt ist, wird sie am Hirn operiert. Doch der Eingriff misslingt. Danach kann sie nicht mehr sprechen und eigenständig handeln. "Es trat eine vollständige Demenz ein", schreibt ihr Vater in einem Brief. Eine Pflegerin kümmert sich in der Villa der Eltern um das Mädchen.
Im Zweiten Weltkrieg beschließt die Familie, die 18-Jährige in eine Pflegeeinrichtung in Niedermarsberg im Sauerland zu geben. Die Eltern werden vom medizinischen Personal beruhigt: "Inge ist ganz froh und munter und hat sich gut an uns gewöhnt."
Tatsächlich aber sind für die Nationalsozialisten Menschen mit Behinderungen oder seelischen Erkrankungen "unwertes Leben“. Im Sommer 1940, nur wenige Monate nach Inges Ankunft, beginnen auch in Niedermarsberg die Vorbereitungen für die systematische Tötung von geistig Behinderten. Inge wird ohne das Wissen ihrer Eltern erst in eine andere Anstalt verlegt und anschließend nach Hadamar gebracht. Die ehemalige Landesheilanstalt ist zu einer Tötungsanstalt umfunktioniert worden. Inge Streerath wird dort noch am Tag ihrer Ankunft am 30. Juli 1941 in der Gaskammer ermordet.
Hauptstraße 72, Herdecke: Die Familie von Heinz Grünewald betreibt in Herdecke ein kleines Geschäft für Textilien und Möbel. Vater Sally steht im Laden, Mutter Paula kümmert sich um Heinz.
Mit der Machtübernahme der NSDAP geraten die Grünewalds in finanzielle Not. Aufgrund des reichsweiten Boykotts jüdischer Geschäfte kann die Familie bald nicht mehr vom Umsatz leben. Während der Novemberpogrome wird ihr Laden demoliert und geplündert. Heinz und sein Vater werden festgenommen und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Bei eisigen Temperaturen verliert Heinz durch Erfrierungen seine Fingerkuppen. Als er und sein Vater Wochen später entlassen werden, müssen sie ihr Geschäft aufgeben. Die Familie zieht daraufhin in die anonymere Großstadt Köln.
Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges überquert Heinz bei Aachen die Grenze nach Belgien. Der 19-Jährige ist der Einzige seiner Familie, der sich in Sicherheit bringen kann. Er bekommt Asyl in England. Seine Eltern hingegen finden kein Land, das bereit ist, sie aufzunehmen. Sie werden 1941 nach Riga deportiert und ermordet.
Nach dem Krieg zieht Heinz in die USA zu Verwandten seiner Mutter. Wegen seiner verstümmelten Hände kann er nicht mehr richtig arbeiten. Von schweren Depressionen gequält nimmt er sich im Alter von 34 Jahren das Leben.
Wilhelm-Huck-Straße 7, Herdecke: Es ist die Nacht vom 21. April 1943, nach 22 Uhr. Wilhelm Vormbaum weiß, dass ihm eine harte Bestrafung droht. Bei einem Landgang in Marseille hat der Matrosenobergefreite den Zapfenstreich verpasst. Es ist nicht das erste Mal. Wilhelm beschließt, nicht auf sein Schiff zurückzukehren. Er besorgt sich Zivilkleider und flieht in die Hafenstadt Toulon, wo er Mitgliedern der französischen Resistance auffällt. Einer versteckt Wilhelm in seiner Wohnung. Dort lernt er die Französin Andrée Beillant kennen und verliebt sich.
Obwohl ihn die Widerstandsgruppe davor warnt, auf die Straße zu gehen, verdient Wilhem seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Kaffee und Luxusgütern auf dem Schwarzmarkt. Knapp ein Jahr nach seinem Untertauchen wird er dabei von einem ehemaligen Kameraden seiner Einheit entdeckt. Wilhelm flieht panisch, wird angeschossen und landet im Wehrmachtsgefängnis. Ein Marinegericht verurteilt ihn wegen Fahnenflucht zum Tod. Sein Gnadengesuch wird abgelehnt.
Im letzten Brief an seine Eltern schreibt Wilhelm: "Das Schicksal hat mich von Andrée getrennt, aber ich habe nicht aufgehört, sie zu lieben. Andrée ist mein größter Schatz, den ich auf dieser Welt habe.“ Im Mai 1944 wird der 24-Jährige hingerichtet.
Wetter / Ruhr
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