Wir stehen hier auf dem Limburger Marktplatz. Ein Marktplatz, Platz für Veranstaltungen, Platz zum Werben, Verkaufen und Kaufen. Quasi der Messeplatz von Limburg, jenseits des Wochenmarktes für den täglichen Bedarf auf dem Neumarkt.
Hier finden Feste statt, Oktoberfest, Frühlingsfest, Zirkus, Bauausstellung, Food-Truck-Festival. Andererseits ist der Marktplatz hier mittlerweile die meiste Zeit zum Parkplatz geworden. Ort für Autos, wo sie bleiben können, wenn man sie nicht braucht.
Gegenüber das Arbeitsamt. Hier wird Arbeit vermittelt, hier werden Arbeitslose verwaltet, nicht Lose, sondern Menschen. Man ist bemüht, sie aus dem Leistungsbezug heraus zu bekommen und fördert sie durch Fortbildung und Umschulung. Man fordert sie aber auch auf, sich zu bewerben, an verschiedenen Maßnahmen teilzunehmen mit Nachdruck durch Androhungen, ihnen das Geld zu kürzen oder nicht mehr zu zahlen
Hier wie dort: Markt. Der Markt ist die Grundlage unserer Gesellschaft geworden, genannt soziale Marktwirtschaft.
Immer mehr Bereiche werden aus der staatlichen Steuerung heraus genommen und dem Markt überlassen. Aber was ist der Markt? Der Markt ist letztendlich das Recht des Stärkeren. Wer kann, der kann, wer nicht kann, geht unter.
Der Markt macht die Menschen zum Objekt. Es geht ihm nicht um sie, sondern um ihre Funktion als Konsument, als Steuerzahler, als Wähler. Dieser Funktion und dem Funktionieren des Marktes wird vieles untergeordnet, wie zum Beispiel die gemeinsame frei Zeit für alle am Sonntag.
Seit Jahren beklagen wir die Vermarktung unserer christlichen Hochfeste, wo es nicht mehr um Inhalt und Anliegen der Feste geht, sondern um deren Funktion für den Konsum und die Märkte.
Mt 21,12-14: Dann ging Jesus in den Tempel, jagte alle Händler und Käufer hinaus, stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenverkäufer um und rief ihnen zu: »Ihr wisst doch, was Gott in der Heiligen Schrift sagt: ›Mein Haus soll ein Ort des Gebets sein‹, ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!« Noch während Jesus im Tempel war, kamen Blinde und Gelähmte zu ihm, und er heilte sie.
Hier am Marktplatz, an diesem Ort denken wir an die Menschwerdung Jesu. Er kam, damit wir das Leben haben, wie es im Johannesevangelium steht. Es geht ihm um die Menschen, er hat sich um der Menschen willen eingesetzt: gegen viele Regeln, gegen Herrschende in der Religion und der Politik.
Was also kann Zum-Menschen-werden sein, was kann Menschwerdung für uns heute bedeuten?
(langsam und mit Pausen lesen)
• Es könnte bedeuten, dass die Solidarsysteme wieder gestärkt werden, dass die Differenzierungen in den Versicherungen aufgelöst werden. Ein Beitrag für alle, ob jung, ob alt, ob Führerscheinneuling oder alter Hase in der Autoversicherung oder die Krankenversicherung, die Rentenversicherung, in die alle einzahlen.
• Es könnte bedeuten, dass der Staat, der dazu da ist, das Zusammenleben der Menschen zu organisieren, damit alle anständig leben können, seine Verantwortung wahrnimmt und sie nicht dem Markt überlässt. Denn das Recht des Stärkeren funktioniert immer. Genau dagegen tritt eigentlich ein Staat an, dazu ist eine Regierung da, damit nicht die Einen untergehen und die Anderen immer größer und stärker werden. Das Recht des Stärkeren bedeutet letztendlich Barbarei.
• Es könnte bedeuten, dass auch ich nach anderen Maßstäben handeln muss. Nicht das billigste kaufen, sondern ökologische Erzeugnisse bevorzugen, Produktionsstandards in Erzeugerländern beachten.
• Also Menschwerdung, an Weihnachten wird sie gefeiert, was heißt das für uns?
(Pause)
Herr, wir werden oft nur in unserer Funktion gesehen, wir sehen oft andere in nur in ihrer Funktion. Hilf uns, die Menschen zu sehen. Hilf uns, ihre Bedürfnisse zu sehen, damit wir in deiner Nachfolge ihnen zum Leben dienlich sein können. Hilf uns auch, immer wieder gegen das Argument des Marktes, entgegen den Strukturen der Märkte, die Menschen zu sehen und uns dafür einzusetzen, dass sie der Maßstab des Handelns sind und nicht die Dividenden und Börsenwerte. Und hilf uns, nicht die Produzenten unserer Waren, sondern die Menschen zu sehen, die sie herstellen, damit wir ihre Würde beachten.
Amen
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